Tag 7 - Ponte de Lima bis Rubiães 

Auch heute ist nochmal ein Tag, an dem die Sonne scheint. Wir müssen ihn genießen, denn ab morgen soll das Wetter wieder schlechter werden. Wir starten gemeinsam und gehen über die lange Brücke. Nach ca. 3 km kommt ein kleines Café, in dem wir gemeinsam Frühstücken. Der Café-Besitzer sieht zwar grummelig aus, schenkt uns aber drei Bananen für den Weg und legt uns ein Gästebuch vor, damit wir uns darin verewigen können. Wir cremen uns alle noch mal ein, da die Sonne jetzt schon brennt. Dann geht es los, heute liegen knapp 18 km vor uns, allerdings mit einer sehr steilen Steigung über einen Bergkamm. Auf diesen Berg, steht das Cruz dos Franceses, oder auch als Cruz dos Mortos genannt. An dieser Stelle legen Pilger nach einem alten Brauch ihre von Zuhause mitgebrachten Steine nieder. Diese Steine symbolisieren Wünsche, Freude, Erleichterung, Bitte oder auch Dank. Auch ich habe mir kurz vor der Abreise aus meinem geliebten Garten einen Stein mitgenommen. Diesen trage ich seit dem mit mir. Mein Ibuprofen fängt zum Glück langsam an zu wirken, Mutter, Tochter und ich laufen in verschiedenen Geschwindigkeiten und irgendwann sehe ich die beiden nicht mehr. Der Weg ist wieder sehr schön, ich laufe durch Feld, durch kleine Dörfchen, und irgendwann kommt wieder ein Café, dort mache ich Pause und Mutter und Tochter schließen wieder auf. In Rubiães soll es eine ganz tolle Unterkunft geben, wir versuchen telefonisch zu reservieren, es gibt nur noch zwei Betten. Natürlich sind diese für Mutter und Tochter, ich find schon was anderes. Wir starten wieder und kommen in einen Eukalyptuswald. Hier beginnt die Steigung. Diese ist tatsächlich nicht ohne, hätte ich nicht gedacht. Grand Canyon Verhältnisse. Gut, dass ich vorher noch ne Ibu genommen habe. Am Kreuz bin ich allein, ich betrachte die Steine und Fotos, die dort liegen. Ich beschrifte meinen Stein und lege ihn ab. Ich muss weinen, ich möchte den Stein nicht los lassen, ich möchte meinen Sven zurück, ich möchte mein Zuhause zurück... aber, wie schon erwähnt, das was ich mir am meisten Wünsche, bekomme ich nicht. Ich habe mir schon nichts sehnlicher gewünscht, als das meine Mama wieder gesund wird. Auch dieser Wunsch ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Komischerweise hatte ich lange vorher vom Tod meiner Mutter geträumt und auch, dass mein Ex sich irgendwann von mir trennt, war mir irgendwie schon immer klar. Leider macht es das kein Stück leichter. Vielleicht bin ich ein schlechter Mensch... wahrscheinlich sogar... Karma und so...

Mutter und Tochter schließen auf und legen auch noch ein Steinchen ab.

Es folgt noch eine richtig fiese Steigung und schon sind wir auf dem Berg. Eine wunderschöne Aussicht und die Banane schmeckt super in der Sonne. Ich habe zum Glück mittlerweile ein Bett für die Nacht organisiert und kurz nachdem ich in meinem Pilgerführer entdecke, dass meine Pension direkt neben der von Mutter und Tochter liegt, verliere ich diesen. Entweder habe ich ihn oben liegen lassen, oder er ist mir beim Abstieg aus der Tasche gefallen. Leider entdecke ich den Verlust erst kurz vor Rubiães :( verdammt, er hat mir unterwegs echt gute Dienste geleistet. Nun bin ich hier mehr oder weniger orientierungslos. In Rubiães angekommen, genieße ich nach einer Dusche erst nochmal die Sonne. Danach gehe ich in einem Minisupermarkt einkaufen - heute koche ich Nudeln mit Tomatensoße und Corizo. Mutter und Tochter, die ich seit Ponte de Lima hier Ostfriesensylvie und Tochter nennen darf, kommen zum Essen und bringen Adriano (der, der bald Heiraten wird) mit. Wir essen gemeinsam bei mir im São Sebastiano und gegen dann noch rüber zu Ninho um mit allen anderen ein Glas Wein zu trinken. Alle Familiengespanne sind wieder vertreten und wir haben einen netten Abend zusammen. Als ich zurück in meine Herberge komme, wird mir klar, warum ich solch einen Deckenberg auf meinem Bett liegen habe - es ist verdammt kalt. Leider schmerzt das Gewicht der vielen Decken stark auf meinen Beinen, aber frieren geht leider auch gar nicht, also wird das wieder eine schwierige Nacht...