Tag 6 - São Simao bis Ponte de Lima

Wir haben 10 Betten im Saal, ich schlafe nicht wahnsinnig gut, werde ständig wach. Jede Berührung und Bewegung meines Fußes schmerzt. Da wir auf der nächsten Etappe nur bis Ponte de Lima müssen, spekuliere ich darauf, dass einige früh starten und ich noch etwas vor mich hin dösen und dann in Ruhe starten kann. Aber Guten Morgen bei Casa Fernanda heißt heute, dass die die zwei holländischen Ladies beschliessen, dass um 6 die Nacht rum ist. Für alle 10 Mitschläfer gleich mit.

Und das, obwohl heute kaum einer Zeitdruck hat, denn die nächste Etappe ist Ponte de Lima - 17,6 km entfernt. Man bekommt also gleich morgens ziemlich unchristliche Gedanken. Das Frühstück ist super, es gibt frische Brötchen, Kürbis- und Tomatenmarmelade... Wir laufen alle getrennt voneinander los, mit tun Fuß und Hüfte noch so sehr weh, ich will niemanden ausbremsen. Der Weg ist heute wunderschön mit gaaaaanz viele Blumen, Weinreben und zu Beginn so wunderschönem Morgennebel. Ich kann den Weg leider nur so halb genießen, die Sehnen, Bänder und die Hüfte schmerzen arg und es dauert immer etwas, bis das Ibuprofen wirkt und nicht ganz so lange, bis es wieder aufhört... nach einem hübschen Teilstück kommt ein Café in dem sich die gesamte Mannschaft vom Vorabend versammelt hat, sogar die zwei Lüneburger sind da, sie hätten bei Fernanda leider kein Bett mehr ergattern können. Es gibt für mich einen Kaffee und ein Stück Orangenkuchen. Mutter und Tochter kommen an, ich ich wieder aufbreche. Ich laufe heute also allein. Ist aber auch ok, ich möchte keinen nerven und auch keinen aufhalten mit meinen Wehwehchen. Ponte de Lima ist ein hübsches Städtchen, welches von der Namensgebenden Brücke dominiert wird. Mein erstes Ziel ist eine Apotheke - Ibu-Nachschub besorgen. Danach erkunde ich ein wenig das Städtchen und setze mich in ein Café für einen Galão und ein Wasser. Die Herberge ist auf der anderen Seite der Straße und öffnet erst um 16 Uhr. Ich kaufe noch 1-2 Kleinigkeiten ein und begebe mich and Flussufer bei der Kirche. Dort sitzen schon einige Pilger, die ich von den Vortagen kenne. Ich mache mir ein paar Cracker mit Chorizo und genieße den Anblick der Brücke und des Flusses.

Plötzlich bekomme ich eine WhatsApp von Mutter und Tochter... Zeitstempel kurz nach 13 Uhr, nun ist es 15:30 Uhr - Mist, die ist wohl irgendwo hängen geblieben. Die zwei haben noch einen heißen Tipp für eine nette Pension. Wir sprechen und ab, dass die beiden die Pension auskundschaften und ich derweil vor der Herberge Stellung beziehe. Um 15:45 Uhr gehen wir vom Flussufer

zur Herberge. Diese hat 60 Betten und wir sind nur etwas 20 wartende Pilger, also alles entspannt, wir bekommen schon irgendwo ein Bett. 17 der wartenden Pilger sind Deutsche, wir stehen brav in einer Reihe an und müssen darüber lachen. Ich bekomme einen Anruf, Mutter & Tochter haben eine Pension aufgetan. Zwar nicht die gewünschte, aber sie ist auch ok, 3-Bettzimmer mit eigenem Bad, ob ich dazu kommen möchte. Klar, klingt super, viel besser als 60 Betten. Ich verlasse die Schlange und laufe wieder über die Brücke zur Startseite und bin recht schnell in der Pension. Drin angekommen vertue ich mich erstmal im Zimmer und stehe bei den holländischen Ladies - okay, die zwei sind also auch hier :).

Nachdem wir uns eingerichtet, geduscht und Wäsche gewaschen haben, sind wir sehr hungrig. Ich poste mein Sehnenproblem auf Instagram und bekomme viele Tipps, leider die meisten mit dem Tenor “ja, so richtig was machen kann man da auch nicht”. Mist, also weiter IBU. Leider gibt’s in Portugal oft erst ab 19 Uhr essen. Egal, die Sonne scheint, wir setzen und mit einer Flasche Wein nochmal an den Flussufer und genießen den Ausblick und eine Dose Thunfisch. Wir sprechen darüber, was Tochter nach dem Abi so vor hat mit ihrem Leben. Spannend... hätte ich doch damals mal nen Plan gehabt... 

Dann ist es Zeit, wir finden ein nettes Plätzchen beim Italiener - Tochter hat Lust auf Nudeln und ich freue mich auch auf eine Pizza. Gut gesättigt suchen wir wieder die Pension auf und genießen die ruhige Nacht.