Tag 5 - Barcelos nach São Simao

Ich habe heute Nacht nicht gut geschlafen, erst haben mich irgendwelche Späteinchecker geweckt, dann war es zu warm und dann... was auch immer.... egal. Ich war am morgen auch schon deutlich vor dem Wecker wach, aber ich blieb noch etwas liegen, 08:40 Uhr war mein Ziel zum Aufbruch. Schon in der Nacht habe ich gemerkt, dass mein Hüft- und Fußproblem wohl etwas ärger ist, als die normalen überlastungsbedingten Schmerzen der letzten Tage, die waren nämlich am nächsten Tag immer wie weggeblasen. Tatsächlich waren die Schmerzen beim Aufstehen kein Stück weniger geworden, also musste ich, obwohl das eigentlich so gar nicht meine Art ist, auf Schmerzmittel zurück greifen. Erstmal mit 400er Ibu, ich muss im Laufe des Tages aber leider mehrfach nach dosieren. Eigentlich wollte ich wieder so gegen halb 9 los, schaffe es aber nicht ganz. Ich freue mich wie blöd, als ich die WhatsApp bekomme, dass Mutter und Tochter schon bei der Unterkunft für heute Abend für uns drei reserviert haben, denn die Unterkunft ist eine Institution auf dem Weg und sehr beliebt. Als ich aus dem Hotel herauskomme tröpfelt es wieder. Jeder Schritt schmerzt stark und ich habe keine Ahnung, wie ich es heute 20km is zur Casa Fernanda schaffen soll.

Aber die Motivation ist groß,ich freue mich auf den Abend mit netten Leuten bei Fernanda. Zum Glück brauche ich mich ja nun nicht zu beeilen, mein Bett ist safe. Ich lasse es also schmerzbedingt gezwungener Maßen ruhig angehen. Irgendwann kommt ein kleiner Brunnen und ich entschließe mich, mein Frühstück nachzuholen. Ich schäle gerade meine Orange, als Tochter im die Ecke kommt. Eine Überraschung, denn ich dachte, die zwei seien weit vor mir, ich hatte die Stimmen morgens kurz vor meinem Aufbruch vor meiner Zimmertür gehört. Die zwei haben sich irgendwann getrennt, mal ein paar Meter alleine Laufen tut auch oder gerade wenn man Mutter und Tochter ist nicht schlecht, an “meinem” Brunnen wollten sich beide wieder treffen. Wir warten gar nicht so lange und schon sind wir wieder komplett, den Rest des Weges gehen wir gemeinsam. Es warten einige anstrengende Steigungen auf uns, aber auch viel schöne Landschaft. Zwar ist diese Etappe wenige KM kürzer, als die der Tage zuvor, trotzdem sind wir alle sehr froh, als wir endlich bei Fernanda ankommen. Mein ganzen Bein tut tierisch weh und ich humpele ins Ziel. Wir sind die letzten, einige wurden schon abgewiesen, ich freue mich nochmal, dass die zwei lieben für mich mitreserviert haben. Fernanda begrüßt uns herzlich. Im Garten flitzen überall Hunde, Katzen, Hühner und Gänse rum. Selbst ein kleines, dickes Schwein suhlt sich. Fernanda geht nun das Abendessen zubereiten, wir sollen schnell duschen und unsere Wäsche waschen, damit sie noch trocknen kann. Genau das machen wir und genießen danach die Atmosphäre in Fernandas Garten. Es sind zwei Damen aus Holland da, die eine ist schon 84! Dann ein paar Elternteil/Kind-Gespanne, ein Italiener, eine Californierin und ein 25jähriger aus Köln, der im September heiratet. Ich stelle mir langsam die Frage, ob ich die einzige in meinem Alter auf dem Weg bin. Alle anderen sind min. 10 Jahre älter, oder jünger. Naja, normalerweise sitzt man in meinem Alter ja auch glücklich mit kleinen Kids daheim und hat genug um die Ohren mit Haushalt und Arbeit... wieder wird mir schmerzlich bewusst, warum ich hier bin... die neusten sind tatsächlich zu zweit unterwegs oder haben jemanden zuhause, der auf sie wartet. Einen Lebenspartner oder eben schon Kinder. Naja, die Anfang 20 jährigen nicht alle, aber die haben Mama/Papa oder den besten Kumpel dabei...


Das Essen ist fertig, wir versammeln uns alle in der riesigen Küche. Es gibt selbstgemachte Suppe, Fleisch, Fisch und frisches Gemüse aus dem Garten, dazu selbst gemachten Wein und Grappa sowie leckeren Portwein. Alle sind total nett und es wird sich viel unterhalten, kurz vor 10 gehen wir aber alle ins Bett, vermutlich wird die Nacht kurz.