Tag 1 - Mein Jakobsweg

Tag X. Heute geht's los. Ich bin nervös. Nicht, weil ich bedenken habe, es körperlich nicht zu schaffen… ich habe ein bisschen Angst vor dem Allein sein, gerade, weil ich über Ostern und meinen Geburtstag dort sein werde. Und davor, ob der Weg mir das bringt, was ich mir erhoffe... Aber nun gut, ich habe es mir so ausgesucht. Auch zuhause bin ich meist allein und wäre es wohl auch an diesen Tagen gewesen...

Ich starte morgen in Porto. Der Wetterbericht meldet durchgehend Regen… bis Ostern. Berichte von Pilgern, die bereits unterwegs sind, melden unterspülte Straßen und Wasserstand bis zu den Knien bei Starkregen. Gestern Morgen um 10:00 Uhr hatte Santiago 4°C - hier waren es 13°C. Weitere Berichte von Pilgern, die sich in den Geschäften vor Ort mit wärmerer Kleidung eingedeckt haben. Besonders schön: der Wetterbericht "zu Hause" meldet für die nächsten Tage bis zu 20°C und strahlenden Sonnenschein – hätte ich mich nicht wenigstens bei norddeutschem Standardwetter (13°C & Nieselregen) hier weg stehlen können? Aber wie heißt es so schön: jeder bekommt den Camino den er verdient oder braucht – ich verdiene offenbar Regen. Viel Regen. Aber Regen macht traurig oder besser gesagt: Sonne macht glücklich - traurig bin ich sowieso schon seit Monaten. Einige, die mir treu folgen und hier auch immer wieder fragen, wie es mir geht, wissen, dass meine große Liebe mich Ende Oktober letzten Jahres verlassen hat. Kurz vor unserem bereits gebuchten USA-Urlaub und unserem 9. Jahrestag. Ja, ich jammere und leide immer noch. Auch wenn ich ein schlechtes Gefühl dabei habe, denn irgendwann muss es ja auch mal gut sein. So viele Menschen auf der Welt haben echte Probleme...  Aber ich kriegs für mich einfach noch nicht besser hin... Die nächsten Tage werde ich auf dieses Thema wohl noch einige Male zurückkommen – es sei mir hoffentlich verziehen - aber genau dieser Sachverhalt ist eben der Grund für meinen Weg. 

Irgendwie war der Gedanke nach der Trennung in der Vorweihnachtszeit plötzlich in meinem Kopf. Obwohl ich kaum einen klaren Gedanken zu dieser Zeit fassen konnte. Ich fand die Wanderung auf den Jakobswegen schon immer faszinierend, aber nachdem ich hörte, dass aus dem Camino frances (Hape’s “ich bin dann mal weg”-Weg) eine wahre Pilgerautobahn geworden sei und mein Ex dazu auch keine Meinung hatte, lag das Thema erst einmal ganz unten im Stapel. Aber, wie gesagt, da war der Gedanke plötzlich wieder und irgendwie bin ich dann auch recht schnell auf den Camino portugues, also den portugiesischen Jakobsweg gekommen. Wir waren vor 2 Jahren für einen Roadtrip in Portugal und das Land hat mich sofort schwer begeistert, vor allem die Gegend im Landesinneren rund um Porto. Zu Spanien habe ich seit eh und je eine besondere Verbindung. Also ein perfect match - das ist "mein" Weg" Also wurde Anfang des Jahres der Hinflug gebucht und langsam mit den Vorbereitungen begonnen. Mein Budget ist derzeit ziemlich eingeschränkt – mein Ex und ich besitzen ein Haus zusammen, ich habe aber immer gesagt “wenn das mit uns nichts wird, kannst du es haben”. Er verdient sehr viel mehr als ich, dementsprechend höher war sein eingeflossenes Kapital, ich könnte es zudem alleine auch nicht halten. So verlor ich nicht nur meine große Liebe, sondern auch mein geliebtes zu Hause mit meinem wunderschönen kleinen Garten... Ich musst mich in den letzten Monaten neu einrichten, sowohl in einer Mietwohnung, als auch in meinem Leben - alles ist anders und Dinge wie Versicherungen und Co. muss ich wieder alleine tragen, wer kennt es nicht. Ich wollte mir also so wenig wie möglich für die Reise anschaffen müssen. Zum Glück war durch vorangegangene Reisen schon eine sehr gute Grundausstattung vorhanden - einzig der Rucksack und eine Fleecejacke wurden neu angeschafft.... Ich habe heute noch ein bis zwei Dinge zu erledigen und eigentlich wollte ich diesen Beitrag hier gestern bereits veröffentlichen, ich bin aber bei sehr sehr lieben Menschen versackt, den einzigen, die mir während dieser schweren Zeit hier beigestanden haben. Und ein schöner Abend mit Freunden ist wichtiger, als jeder Post. Deshalb werdet ihr heute wahrscheinlich zwei Posts von mir zu lesen bekommen, sonst plane ich eigentlich, mich einmal am Tag zu melden - mal schauen, ob ich es schaffe. Also wundert euch nicht – in den nächsten drei Wochen wird fernwehfotografie.de zu meinem Camino portugues-Tagebuch. Auf Instagram werde ich wohl auch die ein oder andere Story posten und ihr bekommt schon die ersten Fotos zu sehen, ich bin gespannt, ob alles so funktioniert, wie geplant :) 

Ich freue mich sehr, wenn ihr mich begleitet!